Mit der Burg Bentheim, dem Vechtetal, zahlreichen Rad- und Wanderwegen sowie der unmittelbaren Nähe zu den Niederlanden verfügt die Grafschaft über attraktive Voraussetzungen für den Tourismus. Hotels, Ferienunterkünfte, Gastronomie und Freizeiteinrichtungen profitieren von Gästen, die die Region besuchen. Gleichzeitig investieren Kommunen und Landkreis in touristische Infrastruktur, Marketing und Freizeitangebote. Angesichts knapper öffentlicher Mittel und vielfältiger anderer Aufgaben stellt sich jedoch die Frage: Welche Rolle sollte der Tourismus für die Zukunft der Grafschaft spielen, und wie kann die Region ihre Stärken weiter ausbauen?
Der Tourismus ist für die Grafschaft Bentheim ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und verdient eine stärkere strategische Ausrichtung. Ziel sollte ein umfassendes, kreisweit abgestimmtes Tourismus-Gesamtkonzept sein, das die bislang vielfach nebeneinander bestehenden Aktivitäten der einzelnen Kommunen effizient, marktorientiert und zukunftsfähig zusammenführt. Dadurch können Doppelstrukturen abgebaut, Ressourcen besser genutzt und der Verwaltungsaufwand reduziert werden.
Ein zentraler Baustein ist der konsequente Ausbau eines digitalen Buchungs- und Informationsportals für die gesamte Grafschaft. Dort sollten Unterkünfte, gastronomische Angebote, Veranstaltungen, Erlebnisse und touristische Highlights gebündelt und einfach buchbar sein. Die Kommunen sollten dabei stärker eingebunden und zugleich von eigenen parallelen Strukturen entlastet werden.
Darüber hinaus bietet die unmittelbare Nähe zu den Niederlanden große Chancen. Eine intensivere Zusammenarbeit mit den benachbarten niederländischen Regionen kann durch gemeinsame Marketingmaßnahmen und grenzüberschreitende touristische Angebote zusätzliche Synergien schaffen und die Attraktivität der Grafschaft weiter erhöhen.
Auch der sogenannte sanfte Tourismus sollte stärker in den Fokus rücken. Angebote, die Nachhaltigkeit, Naturerlebnisse, Rad- und Wandertourismus sowie Gesundheit miteinander verbinden, passen hervorragend zur Grafschaft Bentheim. Insbesondere der Kurort Bad Bentheim, aber auch die naturnahen Landschaften des Landkreises, bieten hierfür sehr gute Voraussetzungen.
Die derzeitige Situation rund um die innere Burg Bentheim ist für den Tourismus in Bad Bentheim bedauerlich. Die notwendige Schließung hat zunächst zu einem Verlust einer wichtigen touristischen Attraktion geführt. Sollte das Fürstliche Haus dauerhaft an seiner bisherigen Haltung festhalten, wäre dies für die Stadt Bad Bentheim zweifellos ein Rückschlag.
Die Situation ist inzwischen festgefahren. Aus Sicht der IPG hat das wenig konstruktive Verhalten aller Beteiligten – des Fürsten, des Landkreises und der Politik – bislang nicht zu einer Lösung beigetragen. Ein von der IPG angeregtes Gespräch auf Augenhöhe wurde von Politik und Verwaltung nicht aufgegriffen; zugleich hat das Fürstliche Haus bislang kein Interesse gezeigt, sich finanziell am weiteren Prozess, etwa im Rahmen eines Gutachtens, zu beteiligen.
Unabhängig davon ist die IPG überzeugt, dass der Tourismus in der Grafschaft Bentheim insgesamt zukunftsfähig bleibt. Die Region verfügt über zahlreiche weitere Stärken und Attraktionen. Dennoch sollte weiterhin alles darangesetzt werden, für die Burg Bentheim eine tragfähige und langfristige Lösung zu finden, die dem Tourismus und der gesamten Region zugutekommt.
