Stellungnahme zur Burg Bentheim

Am 05.02.26 hat Herr Buss von der Fürstlichen Domänenkammer die Kreistagsmitglieder mit einem Anschreiben und einem Downloadlink zu den Gutachten über die weitergehenden Vorstellungen des Fürstlichen Hauses in Bezug auf die Burg Bentheim informiert.

In diesem Anschreiben ist den Kreistagsmitgliedern „nahegelegt“ worden, sich bis zum 30.04.2026 zu entscheiden und die „Verhandlungen“ mit dem Eigentümer der Burg abzuschließen – in einer Tonart, die uns doch verwundert, da wir bis dato davon ausgegangen waren, dass der Fürst Unterstützung vom Landkreis erbittet und nicht umgekehrt.

Nun hat der Fürst, respektive Herr Buss von der Fürstlichen Domänenkammer, Fakten geschaffen und über eine Pressemitteilung an die GN mitgeteilt, dass die „Besichtigungen Burg Bentheim GmbH“ aufgelöst werden soll und somit der öffentliche Besichtigungsbetrieb dauerhaft geschlossen wird – weit vor der im Anschreiben angedachten Deadline, ohne weitere Bemühungen, das Gespräch mit dem Kreistag zu suchen.

Die IPG hat am Donnerstag beim Landrat den Antrag gestellt, kurzfristig einen „runden Tisch“ mit Vertretern des fürstlichen Hauses, der Verwaltung und der Politik auszurichten – mit dem Ziel, in einen persönlichen Dialog einzutreten. Die derzeitige nonverbale Kommunikation nur über „Anschreiben“ oder Berichte in der GN halten wir für wenig hilfreich und nicht zielführend.

Deshalb suchen wir, obwohl auch wir uns schon aufgrund der uns vorliegenden Fakten- und Informationslage eine Meinung gebildet haben, den Weg zum Dialog und zur Versachlichung der derzeitigen Meinungsverschiedenheiten.

Dazu hier eine Stellungnahme der Initiative Pro Grafschaft auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen:

Um es einmal bewusst etwas überspitzt zu formulieren!

Der Fürst zu Bentheim stellt sich auf seine marode Burgmauer und spricht zu seinem Volk:

„Mein geliebtes Volk, liebe Grafschafter, liebe Steuerzahler, euer Fürst zu Bentheim und Steinfurt, Besitzer dieser schönen, aber baufälligen Burg (… und Besitzer von umfangreichen Ländereien, Liegenschaften mit landwirtschaftlichen Flächen, forstwirtschaftlichen Gebieten, Immobilien, Solar- und Windkraftanlagen und Baudenkmälern wie Burgen sowie allerlei Gebäuden, der sein klägliches Leben aus Pachtverträgen, Holzhandel, Waldwirtschaft und dergleichen bestreiten muss …), kann sich die Sanierung seiner Burg nicht mehr leisten und fordert nun von seinen „Untertanen“ den bedingungslosen Zehnt …“

Denn etwas anderes ist es nicht: Eine seit 1000 Jahren in Privatbesitz befindliche Burg soll nun über die Allgemeinheit saniert werden. Der Allgemeinheit, vertreten durch den Landkreis, sollen nun die Kosten für die Sanierung auferlegt werden. Der Fürst kann – oder will – dies nicht mehr leisten und möchte die Burg an den Landkreis verpachten, wenn dieser mit einer verbindlichen Zusage bis zum 30.04.2026 die langfristige Finanzierung der Sanierungsmaßnahme übernimmt.

Sollte bis Anfang Mai keine Lösung gefunden werden, sieht sich der Fürst gezwungen, den Besichtigungsbetrieb dauerhaft einzustellen.

Eine freundliche Anfrage oder eine Bitte um Unterstützung sieht aus Sicht der IPG anders aus!

Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass sich der Landkreis bei der Sanierung der Burg Bentheim einbringen kann und muss. Das kann durch einen „symbolischen Betrag“ von z. B. 500.000 €, wie im letzten Jahr schon einmal angedacht, erfolgen oder durch die Unterstützung bei der Findung von Fördermitteln auf Landes-, Bundes- oder auch EU-Ebene – aber nicht durch die Übernahme einer Burg und der resultierenden Sanierungskosten im Umfang von Millionen, die zurzeit noch nicht einmal abschließend verifiziert sind. Hier ist in erster Linie immer noch der Eigentümer in der Pflicht.

Doch der Eigentümer, vertreten durch Herrn Buss, konfrontiert den Kreistag mit seiner „Ganz-oder-gar-nicht-Taktik“, die keine Kompromissbereitschaft erkennen lässt – eine Eigenschaft, die wir manchmal auch bei der Kreisverwaltung, gerade in Bezug auf den Umgang mit dem fürstlichen Haus, sehen.

Die Burg Bentheim ist touristisch, gerade für die Stadt Bad Bentheim, ein wichtiger Baustein, aber kein essenzieller Faktor. Es geht auch ohne Eintritt in die Burg oder nur in ausgewählten, sicheren und sanierten Teilbereichen der Burg. Auch Führungen rund um die Burg, wie nun schon angeboten, sind möglich.

Kommt man weiter in die Grafschaft, nimmt die Burg als touristischer Ankerpunkt merklich an Bedeutung ab. Ja – die Burg gehört zur Grafschaft. Aber den Tourismus in der Grafschaft vom Fortbestand der Burgführungen abhängig zu machen, halten wir für übertrieben.

In Deutschland gibt es ungefähr 10.000 Burgruinen, von denen viele als „touristische Attraktionen“ vermarktet werden. Selbst wenn die Burg Bentheim nicht zur Ruine verfällt, kann sie weiter touristisch genutzt werden – auch ohne eine finanzielle Beteiligung des Landkreises in Höhe von geschätzten 40 Mio. Euro.

Initiative Pro Grafschaft
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